Bernd Rosarius

Leseprobe


ICH oder DU

 

Woran ich mich nun wirklich störe,

ist das, was ich täglich höre.

Jeder redet auf mich ein,

nur ICH- bezogen muss es sein.

Da kam mir plötzlich die Idee,

ich lass ihn einfach stehen und geh.

Oder soll ich mich beklagen,

und dem Gegenüber sagen.

Beginne jeden Satz mit DU,

dann höre ich dir gerne zu.

Und stelle mich auch darauf ein,

so müsste das Verständnis sein.

Cop.Bernd Rosarius



Klappentext

 

Ich war zwölf Jahre alt!

 

Zu jung um vieles zu verstehen, richtig einzuordnen, Erkenntnisse zu gewinnen und Einschätzungen vorzunehmen. Ich war zu jung, um zu verstehen, warum meine Eltern mich in ein Internat gesteckt haben und ich war zu jung um mich zu äußern. Ich war aber nicht zu jung, um zu schreiben, mich mitzuteilen, mich meinem Inneren anzuvertrauen und mich somit ein klein wenig aus den mir auferlegten Zwängen zu befreien. Ich träumte mein Leben lang von dem Ziel, von dem unentdeckten Paradies, von der endgültigen, stillen und friedlichen Glückseligkeit. Ein Tal mit vielen Birken, gesundes, frisches Quellwasser, farbenprächtige Flamingos und Schmetterlinge.

 

Noch heute suche ich dieses Tal.

 

Blicke ich zurück auf meine fünfundvierzigjährige Berufstätigkeit, auf meine Familie, auf Schicksalsschläge, Glücksmomente und auf meine gesellschaftspolitischen Vorstellungen, so erkenne ich mich selbst. Ich war ein kleines harmloses Rädchen in dem großen Getriebe der Weltgemeinschaft. Nur eines war mir immer vertraut. Ich fand in der klassischen Musik meine Heimat und brachte zu Papier, was ich fühlte. Feinfühlig, diplomatisch aber auch energisch konnte ich sein. Ich beschäftigte mich mit vielen Dingen, doch meine Beschäftigung wurde immer getragen von dem Attribut Beobachtung. Ich beobachtete das Leben und fand nie den Eingang zu meinem Tal.