Der Stein

Dieser Stein in meiner Hand,

wo ist er hergekommen?

Er ist gewandert durch das Land,

ich hab ihn mitgenommen.

 

So glänzend schön,so klein,so fein,

fand ich ihn auf dem Weg ins Feld.

Ich hob' ihn auf, nun ist er mein,

er ist ein Stückchen dieser Welt.

 

Wie lange schon, wer mag es wissen,

lag dieser Stein an diesem Ort,

die Erde sanft sein Ruhekissen.

Wind und Sturm trug ihn nicht fort.

 

Es haben Menschen und Maschinen,

da brauchen wir nicht lang' zu fragen,

unaufhaltsam wie Lawinen,

diesen Stein durchs Land getragen.

 

Was er wohl zu erzählen wüsst`

ich würd` es gern erfahren,

weil das dann die Erkenntnis ist,

die ich brauch in meinen Jahren.

Cop. Bernd Rosarius 

 

Lebenskunst

 Es ist `ne Kunst zu leben

das Richtige zu geben

das Falsche nicht zu nehmen.

 

Da drehen sich die Kreise

vor meinem Auge bunt

da tun sie ganz leise

sich meinem Wesen kund.

Ich sperre mich aus Sorgen

vor meiner Eigenart

und jedentags am Morgen

verdräng`ich Gegenwart.

Das Licht mir unvollkommend scheint

dunkel-hell im Wechselbad

das Licht des Tages ist gemeint

der Tag der keinen Reiz mehr hat.

 

Es ist `ne Kunst zu leben

das Richtige zu geben

das Falsche nicht zu nehmen.

 

Wer spürt den Griff nach meinem Hals

es ist und bleibt allein mein Schmerz

die Folge die ist jedenfalls

der feste Griff nach meinem Herz.

Ich seh`soviel vorüberziehen

an Negativfaktoren

ich möchte allzu schnelle fliehen

aus Angst vor den Sanktionen.

So halten mich die Bande fest

krieg`keine Luft mehr, atme kaum

siechend werde ich zum Rest

vakuumverpackt im Raum.

 

Es ist `ne Kunst zu leben

das Richtige zu geben

das Falsche nicht zu nehmen.

 

So tropfen meine Lebenssäfte

gemächlich auch aus dem Gehirn

so bleib`ich gänzlich ohne Kräfte

und zähle Falten auf der Stirn.

Das Auge hat zuviel gesehen

der Geist hat zuviel nachgedacht

ich kann jetzt einiges verstehen

doch hat es mir nichts eingebracht.

Ich schaue meinen Kreisen zu

wie schnell und schneller sie sich drehen

ich brauche innerliche Ruh`

Cop. Bernd Rosarius

um noch den nächsten Tag zu sehen.

 

Es ist `ne Kunst zu leben

das Richtige zu geben

das Falsche nicht zu nehmen.

Co. Bernd Rosarius


Was wir sehen

 

Alles was wir vor uns sehen,

wenn wir so im Leben stehen,

ist ein kleiner Ausschnitt dessen,

woran wir unser Leben messen.

Wird das Kleine noch so eng,

ist der Blick auch starr und streng,

dann schaue einmal in der Stunde,

weitgeräumig in die Runde.

Was du dann im Umfeld siehst,

gedanklich auch mit einbeziehst.

So kannst du dir nur selber sagen,

über was will ich noch klagen?

 

© Bernd Rosarius


 

Alptraum

 

Ich sehe das Meer in meinen Träumen.

Ich sehe die Wogen brechen und schäumen.

Ich höre die Glocke ferne im Turm.

Ich sehe den Ertrinkenden draußen im Sturm.

Ich sehe die dunklen Wolken ziehen.

Ich sehe wie sie eilig vor irgendwas fliehen.

Ich höre ein Donnern, ein Bersten, Getöse.

Ich sehe zerbrochen die sinkenden Flöße.

Mir strecken sich blutige Hände entgegen.

Ich bin dieser Übermacht völlig erlegen.

Ich spüre den Griff nach meinen Beinen.

Ich sehe nur kurz die Sonne noch scheinen.

Ich renne, ich werfe mich ins Meer hinein.

Mein Gott das muss die Hölle sein.

Bernd Rosarius 1983


 

Ein Stern für dich

 

Ich liebe dich, ich hab`dich gern,

 das leuchtet dir mein Abendstern,

 der so hell am Firmament,

 wie ein Höllenfeuer brennt.

  

Du siehst ihn selbst weit aus der Ferne,

 er ist der hellste aller Sterne.

 Siehst du ihn so denke dir,

 erzählen wird er dir von mir.

 

Er ist ein Mittler zwischen uns,

und versteht geschickt die Kunst,

unsere Herzen zu erfassen,

um die Gefühle frei zu lassen.

  

Lass ewig leuchten Stern dein Schein,

ich will nie mehr alleine sein,

und willst du einstmals doch ermatten,

so lass mir wenigstens dein Schatten.

Cop.Bernd Rosarius