Ein Jahrhundertgrab

Dunkel liegst du auf dem Grund,

schon seit über hundert Jahren,

schweigt dein Herz, schweigt dein Mund,

keine Fragen, nichts mehr sagen.

 

Traurigkeit ist unsere Bande,

leben müssen wir in ihr.

Du spürst weder Stolz noch Schande,

du totes Mahnmal hier vor mir.

 

Du magst in deiner Zeit gelitten,

geliebt, gehasst, geschlagen sein.

So ging dein Rufen, Flehen, Bitten,

auch in deine Ängste ein.

 

So sahst du manchen grauen Morgen,

verzehrt in der Gedankenflut,

wolltest schlafen, tief verborgen,

bis Flamme lischt zur heißen Glut.

 

Suchtest hier und dort dein Glück,

warst getrieben auf den Wogen,

doch du kamst nach hier zurück,

hat das Leben dich betrogen ?

 

Eingebettet in der Gruft,

ist längst vorbei dein Leben.

Ich stehe hier in feuchter Luft

Und will mir Stärke geben.

 

Was uns über Zeit verbindet,

ist das Menschsein hier auf Erden,

dein toter Geist hat`s dir verhindert,

was ich weiter sehen werde.

 

Mach` s gut mein Freund, ich geh` vorbei,

lass weiter ruhen dein Gebein.

Irgendwann bin ich dabei,

dann bettet man mich auch so ein. 

Bernd Rosarius 81 


Chinesische Weisheit?


Durch Chinas große alte Weisen,

lässt sich im übertragenen Sinn,

Wahrhaftigkeit beweisen.

Sehr viel Weisheit steckt dort drin.

 

Wenn du hundert liebe Dinge fast,

spürst du hundert Leiden.

Wenn du gar nichts Liebes hast,

wird auch das Leid fernbleiben.

 

Ich sage nicht das funktioniert,

ich denke nur,da ist was dran.

Sicher bin ich irritiert,

was fang ich mit dem Wissen an?

 

Nichts Liebes, nein das geht doch nicht,

dafür sind wir nicht bestimmt.

Es gibt zwar Schatten und auch Licht,

doch vieles gibt es, was auch stimmt.

 

Auch Chinesen kennen Leid,

Armut, Lebenskampf und Not.

doch glauben sie zu jeder Zeit,

auf ein Leben nach dem Tod.

 

Von Traditionen stets getragen

wird kein himmlisches Gericht,

nach der Schuld und Sühne fragen,

denn die gibt es einfach nicht.

 

Wie armselig wir Deutsche sind

unser Rückgrat ist verbogen,

Lästig wird uns jedes Kind.

Es wird geheuchelt und gelogen.

 

Wir sollten aus der ganzen Welt,

das beste uns aussuchen.

Versuchen wir doch ohne Geld,

Vernunft einmal zu buchen.

 

Wir produzieren leere Luft.

Sind Illusionen nachgejagt.

Zukunftschancen hat der Schuft,

der nicht nach den Gefühlen fragt.

 

 © Bernd Rosarius

 

Die Tropfsteinhöhle


Es tropft und tropft in aller Stille.

Es tropft und tropft auf eine Stelle.

Was im Dunkeln sich vollzieht,

der Mensch im schwachen Lichte sieht.

  

Und so tret`ich langsam vor,

durch des Berges weites Tor.

In den Höhlen nass und kalt,

ein Echo tausendfach erschallt.

  

Dann können wir Gebilde sehen,

die hier seit tausend Jahren stehen.

Und wir werden uns bemühen,

um das Spiel der Phantasien.

  

Dort ein König, dorten Pferde.

Dort ein Schaf in seiner Herde.

Dort ein Schloss, davor ein Teich.

und wer daneben steht zugleich?

  

Ein Soldat mit dem Gewehr.

Doch es gibt noch vieles mehr.

In der Phantasienwelt,

sind Grenzen nicht dahingestellt.

  

Die Gebilde sind aus Stein.

Sie wachsen stetig von allein,

weil das lose Wasserkleid,

ertränket hat hier jede Zeit.

  

Wer stellt diese Welt infrage,

die so nass und unter Tage,

sich vollzieht in der Natur.

Der Mensch indes bleibt Kreatur.

 

 © Bernd Rosarius


 

Der Frühling

  

Kühler Wind im Sonnenglanz,

süße Wonne, klare Luft,

Ein Hauch durchdringt den Knospenkranz,

verheißungsvoller Frühlingsduft.

 

Einst gestorben, neu geboren,

klingt ganz nah der Vogelruf.

Erneut hat Gott euch auserkoren,

womit er große Freude schuf.

 

Die Menschenseelen aber lauschen,

auf das Erwachen neuer Zeit.

Die Bäume biegen sich und rauschen,

in ihrem bunten Frühlingskleid.

 

Glücklich klingt das Vogellied,

in den Bäumen und am Hang,

und wie froh ist, wenn man sieht,

Wie sie sich tummeln im Gesang.

 

Hurtig springt von Ast zu Ast,

Amsel. Drossel und der Star.

Schweigend halten wir hier Rast,

denn dieses Bild ist wunderbar.

 

Vergiß-mein-nicht und Flieder,

zeigen ihre Pracht,

sie kehren immer wieder,

solang' die Sonne lacht.

 

Aus seinem Nest ruft mich ein Spatz,

als wollt' er stören meinen Traum.

Lächelnd suche ich den Platz,

in einem kleinen Wiesensaum.

 

Ich spüre dieses feuchte Gras,

noch ist die Sonne nicht so stark,

um zu tilgen dieses Nass,

in der des Winters Schleier lag.

 

 Gleich einem Vogel möchte ich fliegen,

so wie ein kleiner Sperling.

Möchte mich in Ästen wiegen,

und grüßen meinen Frühling.

 

Bernd Rosarius 1965


 

Die offene Tür

 

Ich atme schwer,

der Kreislauf bricht,

 ich haste sehr,

 kenn Ruhe nicht.


 Der Beruf treibt an,

 ich in den Massen,

 darf als Mann

 nur Pflichten fassen.

  

Akten unterm Arm,

schnell im Tritt.

Ein Mantel hält mich warm,

mit der Masse lauf ich mit.

 

Im Geschiebe und Gedränge

übern Marktplatz bunte Pracht,

quäle ich mich durch die Menge,

plötzlich hab ich halt gemacht.

 

Ein Haus mit hohem Turm

steht vor mir schmal und hoch.

Ich steh darunter wie ein Wurm,

und sehe ein großes schwarzes Loch.

 

Das ist die Tür und sie  ist offen

Ich bleibe stehen

und bin betroffen

ich kann nichts sehen.

 

Ich gehe durch dieses große Loch

Stille ergreift mein Herz.

Ich bin allein und spüre doch,

in Herz und Seele einen Schmerz.

 

Hockend auf der Bank,

geht mein Blick zu dem Altar.

Dieser Anblick macht mich krank

Ich fühl mich einfach sonderbar.

 

Irgendwie komm ich zur Ruh,

sehe Glasenmalerei.

Einer Orgel hör ich zu,

Und sehe Holzschnittkunst dabei.

 

Abgelegt der Hast und Eile,

schlag ich für diesen Augenblick,

den ich stille hier verweile,

zu den Gedanken eine Brück.

 

Klarer kommst mir in den Sinn,

das ich als Gliedchen einer Kette,

ständig doch ersetzbar bin.

Ich liege so wie ich mich bette.

 

Die Moral von der Geschicht`,

zog ich hier in diesem Haus.

Für euch da draußen leb ich nicht,

ich komm als anderer Mensch heraus.

 

März 1984